Refresher Blutungen theoretisches Wissen

Aufgabe

Lesen Sie den untenstehenden Text und diskutieren Sie im Anschluss die gestellten Fragen in der Gruppe. Für diese Aufgabe stehen Ihnen 15 Minuten zur Verfügung.

Allgemeines Wissen über Blutungen und deren Versorgung

Als Blutung bezeichnet man den Austritt von Blut aus dem Gefässsystem, das aus Venen und Arterien besteht. Bei einer Blutung verlässt das Blut den geschlossenen Blutkreislauf und es entsteht ein Defizit an zirkulierendem Blut, also ein Blutverlust. Gerade bei grösseren Blutungen kann dieser Blutverlust relevant werden: Sinkt bei einer Blutung das zirkulierende Blutvolumen unter einen kritischen Wert, wird der Blutverlust für den Betroffenen lebensbedrohlich. Einerseits, weil die roten Blutkörperchen den von uns eingeatmeten, überlebensnotwendigen Sauerstoff zu den Organen transportieren. Verlieren wir bei einem Blutverlust unsere roten Blutkörperchen, haben wir keine Transportmöglichkeit mehr für den Sauerstoff. Andererseits braucht unser Herz als Saugpumpe eine Mindestmenge an Blut, damit es überhaupt effektiv pumpen kann. Stirbt der Betroffene an der Blutung, spricht man von Verbluten.

Ein erwachsener Mensch hat pro Kilogramm seines Körpergewichts ungefähr 70 ml Blut. Ein Betroffener, der 70 kg wiegt, hat also ungefähr 4,9 l zirkulierendes Blutvolumen. Bis zu einem akuten Blutverlust von ca. 30 % kann der Körper durch die eigenen Kompensations- und Regulationsmechanismen einen Blutdruckabfall verhindern. Im Falle eines 70 kg schweren Betroffenen also bis zu ca. 1,5 l Blutverlust. Kann die Blutung danach immer noch nicht gestoppt werden, beginnt der Blutdruck des Betroffenen zu sinken und die Situation wird für ihn bedrohlich. Spätestens ab einem Blutverlust von 40 % – bei einem 70 kg schweren Betroffenen also ab ca. 2 l – besteht akute Lebensgefahr.

Die grossen Gefässe unseres Gefässsystems befinden sich in den tiefen Gewebeschichten, die kleineren an der Oberfläche. So führt eine Verletzung je nach Tiefe zu mehr oder weniger ausgeprägten Blutungen. Blutungen aus geringfügigen Verletzungen kommen beim Gesunden durch automatische Verengung der Blutgefässe, die so genannte Vasokonstriktion, und die körpereigenen Mechanismen der Blutgerinnung innerhalb von wenigen Minuten zum Stillstand.

Man unterscheidet zwischen arteriellen und venösen Blutungen. Eine arterielle Blutung ist eine Blutung, die durch eine verletzte Arterie verursacht wird. Arterielle Blutungen entstehen meist auf Grund scharfer Gefässverletzungen, z.B. durch Stich-, Schnitt- oder Schussverletzungen oder indirekt als nicht sichtbare Gefässverletzung im Rahmen von Knochenbrüchen.

Arterielle Blutungen sind pulsierend und spritzend, dementsprechend ist auch der Blutverlust schnell gross. Das Blut ist bei arteriellen Blutungen hellrot. Ein Druckverband ist hier zwingend nötig.

Eine venöse Blutung ist eine Blutung, die durch eine verletzte Vene verursacht wird. Venöse Blutungen entstehen, wie arterielle Blutungen, oft aus scharfen Gefässverletzungen. Da direkt unterhalb der Haut viele Venen verlaufen, ist die Verletzungsgefahr grösser als bei den tiefer gelegenen Arterien. Das Blut ist bei venösen Blutungen dunkelrot gefärbt. Es besteht ein eher gleichmässiger Blutaustritt, die Blutung pulsiert also nicht. Der Blutverlust ist dementsprechend eher geringer als bei arteriellen Blutungen. Trotzdem kann der Blutverlust auch bei venösen Blutungen signifikant und ein Druckverband von Nöten sein.

Häufig erlebt man in der Praxis Mischblutungen aus arteriellen und venösen Gefässen. Letztendlich macht es auch keinen Unterschied – die Vorgehensweise und Therapie bleibt dieselbe.

Tritt das Blut nicht an die Körperoberfläche, da die Haut nicht verletzt wurde, sammelt es sich im Gewebe an. Es bildet sich ein bläulicher Bluterguss – in der Fachsprache Hämatom genannt – der oft bei Prellungen entsteht und im Verlauf abgebaut wird.

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